Familienpolitik im Würgegriff der Streitbewirtschaftungsindustrie

Ein Gastbeitrag von Tim Walter

Deutschland hat einen umfassenden Wirtschaftszweig, der seine “Umsätze” dadurch generiert, dass sich Trennungseltern um Zeit und Geld im Bezug auf ihre Kinder streiten.

Dieser Wirtschaftszweig heißt “Streitbewirtschaftungsindustrie”, nach dem dritten Bier auch schon mal Kindeswohlindustrie. Aktuell gerät sie von allen Seiten unter Druck, aber als Noch-Inhaber der Macht (schon bald wird sie das Ancien Regime sein) bäumt sie sich gegen die überfälligen Reformen, jetzt selbst vom Europarat angemahnt, noch einmal kräftig auf.

Reformen passen den Professoren, Doktores, Advocates und Verbandsmenschen natürlich so gar nicht ins Programm; denn wer vom Elternstreit lebt, möchte keine Gesetze, die den Elternstreit nachweislich eindämmen – ist doch irgendwie logisch.

Auch logisch ist, dass die nach Gesetzesänderungen zu erwartenden stark reduzierten Streitzahlen natürlich vielen umsatzstarken Sozialprogrammen zur Verhinderung und Deeskalation von Streit den Boden unter den Füßen entziehen. Bei diesen Programmen kommt mir oft das alte Kinderlied in den Sinn: Jupp Hei Di und Jupp Hei Da, der Glaser schlägt die Scheibe ein und sagt da muss ‘ne neue Rein. Der Glaser ist der Gesetzgeber, und die neue Scheibe sind die Sozialprogramme. Zerbrechen also keine Scheiben mehr, weil sich Streit für Eltern nicht mehr lohnt, müssen natürlich auch weniger neue Scheiben her.

Streitende Eltern werden heute in Beratungsstellen und Elternschulen angehalten, nicht mehr zu streiten. Diejenigen Sozialpädagogen, die dort sietzen, die müssen arbeiten und Geld verdienen, die werden weiter gebildet. Was, wenn niemand mehr streitet und nicht mehr vorbei schaut, oder nur noch die Hälfte oder gar 10% der heutigen Fallzahlen auftreten? So geschehen im Ausland.

Dort wurde, wie in Deutschland, früher auch mehr gestritten, denn auch dort gab es, wie heute in Deutschland, viele Gesetze, die Rahmenbedingungen schaffen, bei denen es für brav streitende Eltern viel zu gewinnen gibt – und eben auch viel zu verlieren, was man ja abwenden möchte. Als da wären: Geld (Unterhalt, bessere Steuerklasse, Kindergeld, höhere Zuwendungen in der Sozialhilfe) und Exklusivität mit dem Kinde, das ja wiederum die Anspruchsgrundlage für die finanziellen Benefits liefert. Da ist für unsere Advokaten also viel zu tun!

Aber sie sind es bei weitem nicht allein. So wünschen sich viele (nicht alle) Mitglieder der sozialen Professionen ganz natürlich, dass weiter gestritten wird, bis zur totalen Entfremdung! So kann man Akten verwalten, Programme auflegen, Eltern bewirtschaften, Kinder therapieren, begutachten, betüddeln, verarzten, und natürlich immer weiter streiten.

Die gute Nachricht – die Spatzen pfeifen sie von den Dächern: Dieses letzte Aufbäumen der Streitbewirtschaftungsindustrie vor den bevorstehenden umfassenden Reformen wird nicht mehr lange funktionieren. Vielleicht noch mal eine Runde, aber ihre Struktur ist zwar sehr effektiv, aber eben nicht mehr nachhaltig. Sie mögen die nächste Runde im Kampf um die Befreiung der Kinder und Eltern aus den Fängen der Industrie noch einmal gewinnen; denn die Streitbewirtschaftungsindustrie ist so gut durchorganisiert, vernetzt und steuer- und “Opfer”-finanziert, dass ihnen aufgrund zahlreicher Verbindungen, auch in die Politik, in die Exekutive und Legislative – die Jurisdiktion ist Teil von ihr – unmittelbar keine Gefahr droht. Aber die intelligenteren Vertreter dieser Klientel haben längst begriffen, dass man mit Gegenhalten nicht mehr weiterkommt, selbst Frau Kostka und Herr Salzgeber werden zunehmend leiser. Sie formulieren nun also wachsweich, geleeartig, sie “fordern” in markigen Tönen dort, wo die Realität längst an ihnen vorbei gezogen ist, und sie schwindeln so Fortschritt, wo in den Inhalten längst Status Quo steht. Sie tricksen, täuschen, und tarnen, und verkaufen sich als progressiv.

Lasst Euch eines gesagt sein, Ihr Lobbyisten und Streitbewirtschaftsindustriellen: selbst wenn ihr die nächste Runde nochmal gewinnt, was keineswegs ausgemacht ist, dann verliert ihr in der übernächsten. Ein milliardenschwerer Wirtschaftszweig, der nur mittels schwerem Leid in der Bevölkerung, insbesondere bei den kleinsten und schützenswertesten Menschen, den Kindern, seine Daseinsberechtigung erhält, wird untergehen. Die “Branche” muss jetzt schnell umsteuern, hin zu tatsächlicher Streitprävention und Fallbeendigung im Guten, und seitens des Gesetzgebers brauchen wir keinen warmen Worte, sondern klare Rahmenbedingungen, die Eskalation und Streit nicht inzentivieren sondern ächten und ggf. sanktionieren. Wenn die Branche es nicht von selbst tut und sich umstellt, dann muss sie ggf. dekomponiert und im schlimmsten Falle aufgelöst werden, wie einst die Montanindustrie im Ruhrgebiet. Es betrifft alle Professionen dieser Branche gleichermaßen.

Liebe Eltern, liebe Kinder, die Zeit, die Dinge, so wie sie sind, nicht mehr zu tolerieren – akzeptieren tun sie die Opfer der Streitbewirtschaftungsindustrie schon lange nicht mehr – ist jetzt gekommen.

Tim Walter, 47, studierte in Dortmund u.a. bei Walter Krämer und Stefan Homburg Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Er leitet als Geschäftsführer ein Dienstleistungsunternehmen in Hamburg und ist in seiner Freizeit ehrenamtlich in der FDP engagiert, wo er sich, auch bundesweit, für die Neuausrichtung einer liberalen Familienpolitik einsetzt (zur Zeit auch verstärkt für die paritätische Doppelresidenz).

One Response to “Familienpolitik im Würgegriff der Streitbewirtschaftungsindustrie”

  1. Fiete sagt:

    Lieber Tim, worauf stützt Du Deinen Glauben?
    Soweit mir bekannt, deutet alles darauf hin, daß der Zugriff auf die Gesetzteslage für die Feministen immer einfacher wird. Und die Rechtsprechung wurschtelt auch unbeeindruckt ( von was auch immer ) weiter vor sich hin.
    Der Grundsatz “in dubio pro reo” gilt bestenfalls noch für Leute, die Johann Schwenn bezahlen können.
    Eltern werden immer noch genau so substanzfrei entsorgt wie vor Jahrzehnten.
    Warum sollte sich also irgendetwas zum Positiven ändern?

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