Gender: Die gekaperte Uni. Ein Praxisbericht / Teil 3

von Pepe Liedtke-Börger

Teil 3

Mann und Frau –  nur ein soziales Konstrukt?

(TEIL 2 hier)

In diesem dritten Teil meines Artikels möchte ich mich mit der Frage auseinandersetzen, worin sich Männer und Frauen unterschieden und wie diese Unterschiede zu erklären sind, auch wenn dies schwierig ist. Kaum ein Forschungsfeld ist ideologisch so durchsetzt wie die Frage nach den Unterschieden zwischen Männern und Frauen.

Dazu werde ich unterschiedliche Theorien zur Erklärung von Geschlechterunterschieden erörtern. Auch die Behauptungen des Genderismus sollen näher betrachtet werden.

Theorien zur Erklärung von Geschlechterunterschieden

Es gibt verschiedene Theorien zur Erklärung von Geschlechterunterschieden. Dazu gehören sozial-konstruktivistische Theorien, die bio-soziale Theorie (nach Eagly & Wood), der Evolutionspsychologischer Erklärungsansatz, die Theorie der gemischten reproduktiven Strategie. Jede dieser Theorien kann auf eine empirische Evidenz verweisen, die den eigenen Standpunkt unterstützen.

Genderismus und Sozialer Konstruktivismus

Der Genderismus erläutert seine Annahmen im Wesentlichen auf der Basis des Sozialen Konstruktivismus. Sozial-konstruktivistische Theorien erklären Geschlechterunterschiede als Ergebnis zufälliger gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse, die keinerlei objektive Grundlage haben.

Vertreter des sozialen Konstruktivismus argumentieren grundsätzlich, dass es so etwas wie eine objektive Realität gar nicht gäbe: Demzufolge seien all unsere Annahmen das Ergebnis gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.  Jegliches Denken über Geschlechterunterschiede habe keine objektive Grundlage sondern sei einzig  das Ergebnis einer gesellschaftlichen Konstruktion solcher Unterschiede.

Doch ein wahrer Kern?

Tatsächlich gibt es doch einige Hypothesen des Sozialen Konstruktivismus die sich bewahrheiten In Übereinstimmung mit der sozial-konstruktivistischen Theorien kann so zum Beispiel darauf verwiesen werden, dass manches was wir als typisch männlich oder typisch weiblich bezeichnen, tatsächlich auf arbiträren Festlegungen beruht, wie z.B. Haartracht oder Bekleidungsstile.

Auch diese Behauptung bewahrheitet sich, ist aber keinesfalls eine Erkenntnis des Genderismus, sondern die der Evolutionspsychologie. Dazu später mehr. Der Genderismus gibt sich augenscheinlich immer wissenschaftlich. Wie wir bereits sehen konnten, erweisen sich tatsächlich einige Hypothesen als wahr. Jedoch bewahrheiten sich andere falsifizierte (also wiederlegte) Hypothesen der Gender-Ideologie nicht plötzlich dadurch, dass man mit dem Verweis auf einige korrekte Hypothesen und einen gemeinsamen Gender-Aufkleber Wissenschaftlichkeit beansprucht. Der Verweis auf Autoritäten, Ideologien oder Religionen ist kein Verweis auf die Richtigkeit einer Theorie bzw. Hypothese.

Evolutionsbiologische Perspektive auf Geschlechterunterschiede

Evolutionspsychologen interpretieren Geschlechterunterschiede als Ausdruck unterschiedlicher Reproduktionsstrategien von Männern und Frauen, die neben der Herausbildung körperlicher Unterschiede zur Herausbildung psychologischer Unterschiede geführt hätten.

Die evolutionspsychologische Perspektive verweist mit Recht daraufhin, dass manche Geschlechterunterschiede relativ unabhängig von den jeweiligen kulturellen Rahmenbedingungen sind.

Wie die Biologie beide Geschlechter diskriminiert

Weil Männer im intrasexuellen Wettbewerb um Zugang zu attraktiven Frauen stehen, sind sie aggressiver, assertiver und wettbewerbsorientierter als Frauen. Weil der reproduktive Erfolg von Männern zudem vom sozialen Status abhängt, sind sie karriereorientierter und in ihren beruflichen Ambitionen instrumenteller als Frauen. Weil Frauen mehr Zeit als Männer in ihre Kinder investieren, sind sie fürsorglicher und empathischer als Männer. Weil dies für das Überleben der eigenen Kinder ein Unterstützungsnetzwerk aus Freunden und Verwandten wichtig ist, zeigen sich Frauen mehr an der Pflege solcher Netzwerke interessiert. Weil ihre physische Präsenz für das Überleben ihrer Kinder notwendig sind, vermeiden sie Risiken die ihr eigenes Überleben gefährden könnten, während Männer Risiken lieben – und durch das Überleben gefährlicher Situationen ihre eigenen genetische Fitness demonstrieren können.

Die Bio-soziale Theorie zur Erklärung von Geschlechterunterschieden

Die bio-soziale Theorie (nach Eagly und Wood) ist ein Versuch, die Elemente aus dem sozial-konstruktivistischen und einem evolutionsbiologischen Erklärungsansatz miteinander zu verknüpfen. Sie geht davon aus, dass die Geschlechterunterschiede zwar durch Rollenerwartungen herausbilden, jene aber wiederum sinnvoll aus historischen Notwendigkeiten entstanden sind. Männer und Frauen werden in bestimmten Geschlechterrollen sozialisiert, damit Männer und Frauen natürliche, geschlechterstereotypische Aufgaben adäquat erfüllen. Die bio-soziale Theorie (nach Eagly & Wood) argumentiert, dass Geschlechterunterschiede auf unterschiedliche gesellschaftliche Rollenerwartungen zurückgeführt werden können. Geschlechterrollen seien von den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen determiniert und damit grundsätzlich wandelbar. In Unterschied zu sozial-konstruktivistischen Erklärungsansätzen sind Geschlechterunterschiede somit nicht arbiträr, sondern entspringen den funktional vorgegebenen unterschiedlichen Geschlechterrollen von Männern und Frauen. Entgegen dem evolutionsbiologischen Erklärungsansatz sind Geschlechterunterschiede jedoch nicht durch sexuelle Selektion, d.h. genetisch bedingt, sondern werden durch gesellschaftliche Rollenerwartungen vermittelt.

Warum gibt es Geschlechterunterschiede?

Bei den meisten Persönlichkeitsmerkmalen (wie z.B. der Intelligenz) zeigen sich keine Mittelwertunterschiede zwischen Männern und Frauen, allerdings lässt sich bei vielen Persönlichkeitsunterschieden bei Männern eine höhere Varianz als bei Frauen beobachten.

Im Durchschnitt sind Männer ehrgeiziger, kompetitiver, wettbewerbsorientierter, selbstbewusster, assertiver, aggressiver, gewalttätiger und risikobereiter als Frauen. Männer sind eher an Wettbewerb und sozialem Status interessiert als Frauen. Im Durchschnitt sind Frauen einfühlsamer, empathischer, fürsorglicher und weniger risikobereit als Männer. Der Geschlechterunterschied der höheren Empathie und Fürsorglichkeit von Frauen scheint wenig unabhängig davon zu sein ob eine gesellschaftliche Rollenerwartung nahe gelegt wird oder nicht.

Wie lassen sich diese Unterschiede erklären, wenn nicht als offensichtlich patriarchalisches und gesellschaftliches soziales Konstrukt? Weil es für Männer und Frauen im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte in hohen Maße adaptiv war über solche Fähigkeiten zu verfügen.

Ein Beispiel: Kuckuckskinder

Frauen können ihre reproduktive Fitness erhöhen, indem sie die sogenannte gemischte reproduktive Strategie verfolgen. Sire wählen dann als Lebenspartner fürsorgliche Väter, doch durch Affären attraktive „Machos“ als die tatsächlichen Väter ihrer Kinder. Das Kuckuckskind ist geboren. So ist bei Frauen eine Parallelstruktur für parallele Langzeitbeziehungen und Kurzzeitbeziehungen evolviert. In der Realität sind diese zwar sehr selten, aber es änderten sich im Laufe der menschlichen Evolution bei Frauen dadurch ihre Partnerwahlpräferenzen in Abhängigkeit von ihrem Monatszyklus. An ihren fruchtbaren Tagen achten sie vor allem auf körperliche Attraktivität potenzieller Sexualpartner. An den anderen Tagen sind ihnen eher Eigenschaften wie Fürsorglichkeit und Zuverlässigkeit wichtig.

Noch ein Beispiel: Das Kriminalitätsfurchtparadox

Frauen verspüren sehr viel mehr Furcht vor kriminellen Handlungen, obwohl sie seltener Opfer krimineller Handlungen werden (Kriminalitätsfurchtpardox). Warum? Weil es für sie während der Environment of evolutionary adaptness in höchsten Maße adaptiv war. Sämtliche Alternativerklärungen für das Kriminalitätsfurchtparadox lassen sich falsifizieren, der bestehende evolutionspsychologische Erklärungsansatz kann bestätigt werden.

Ein letztes Beispiel: Die Attraktivität des Alters

In Übereinstimmung mit evolutionspsychologischen Annahmen zeigt sich in allen Kulturen, dass Männer Frauen bevorzugen, die jünger sind als sie selbst, und dass Frauen Männer bevorzugen, die etwas älter sind als sie selbst. Zudem war es in allen Kulturen für Frauen wichtiger als für Männer, dass ihr Partner über ein hohes Einkommen verfügt. Warum ist das nun so? wenn Männern gesellschaftlich die Rolle des Familienernährers zugewiesen wird und Frauen wesentlich darauf angewiesen sind, von ihrem männlichen Partner mit Ressourcen versorgt zu werden, dann ist es höchst rational, wenn Frauen Partner bevorzugen, die dazu auch in der Lage, d.h. Etwas älter und wohlhabend sind.

Halten wir fest

Die geschlechtliche Identität eines Menschen ist in allen Kulturen ganz überwiegend vom biologischen Geschlecht determiniert.

Manche Geschlechterunterschiede sind relativ unabhängig von den jeweiligen kulturellen Rahmenbedingungen. Geschlechterunterschiede sind nicht arbiträr, sondern entspringen den funktional gegebenen unterschiedlichen Geschlechterrollen von Frauen und Männern.

Quellen:

– Diekmann, Andreas (1995): Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden,
Anwendungen

– Esser, Elke / Hill, Paul B. / Schnell, Rainer (2013): Methoden der empirischen
Sozialforschung

– Fetchenhauer, Detlef (2011): Psychologie

– Kopp, Johannes / Steinbach, Anja (1986): Grundbegriffe der Soziologie

– Hartmut, Esser (1999): Soziologie. Allgemeine Grundlagen

– Kelle, Birgit (2015): GenderGaga

https://www.youtube.com/watch?v=A2fJ4Xoxcyc (Ulrich Kutschera)

https://www.youtube.com/watch?v=rbWhlsb_Tzs (Ulrich Kutschera)

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