Gewalt gegen Frauen oder Männern: Von der Ideologie zur Forschung

Von Gerhard Amendt 

Die Suche nach Tätern, die Frauen Gewalt antun, schreitet in westlichen Gesellschaften munter fort. Um Wahrheit geht es dabei nicht, sondern um die radikale Zweiteilung der Welt. Jene von Tätern, die allmächtig sind, und jene von Opfern, die ohnmächtig sind. Was daran zutrifft und was nicht, wird politisch und nicht nach wissenschaftlichen Daten entschieden. Seinen Ursprung hat das in extremen Feminismusvarianten der Nach-68-vom Ära, die heute vor allem Urstände in Genderstudies und unter der Linken feiern.

Die Zweiteilung der Gesellschaft

Die kommenden Bundestagswahlen werden vom Kampf über die Zweiteilung der Welt in Frauen als Opfer und Männer als Täter beherrscht werden. Wer sich dem widersetzt, sei frauenfeindlich, populistisch, rechtsradikal etc. Deshalb wird hier versucht, Aspekte der Vernunft gegen die Geschlechterpolarisierung  ins Feld zu führen. Ansonsten wird die politische und ihr artig folgende journalistische Schimäre von der „toxischen Männlichkeit“ die Geschlechterbeziehungen tatsächlich vergiften.

So ereigneten sich in Österreich in kurzen Abständen mehrere Frauenmorde. Die besonderen Umstände interessieren dabei nicht mehr. Vor allem Politikerinnen und Journalistinnen sahen darin eine unheilvoll über der Gesellschaft schwebende „toxische Männlichkeit“ am Werk. Diffuse Vergiftungsangst soll unter Frauen sich breit machen und keineswegs die Darstellung von besonderen Umständen, die zu Morden führten.

Hohe Dunkelziffer verfälscht die Wahrnehmung

Es muss daran erinnert werden, dass es einen Unterschied zwischen kriminalstatistisch dokumentierten Fällen und repräsentativen Befragungen der Bevölkerung z. B. zu Gewalthandlungen gibt. Kriminalstatistik erfasst bekannt gewordene Fälle. Werden keine Fälle bekannt, dann entsteht  der falsche Schluss, dass es eben keine Gewalt geben würde. Weil Frauen bis in die sechziger Jahre nur selten zur Polizei gingen, um Gewalttätigkeit des Ehemanns anzuzeigen, hätte es demnach keine Gewalt gegeben. Das war ein folgenreicher Trugschluss. Es gibt Gewalt gegen Frauen, weil sie sich jetzt wehren und die Gerichte anrufen. Und nicht weniger ist es ein Trugschluss, dass es keine Gewalt gegen Männer gäbe, denn die Kriminalstatistik  kenne nur wenige Fälle.

Kein Wunder, Männer tun bis heute, was Frauen bis in die siebziger Jahren taten. Sie gehen nicht nur Polizei. Sie schweigen aus Scham, aus Solidarität mit der Ehefrau, aus Angst vor Häme vor Männern aber auch Frauen im Büro, im Betrieb oder in der Nachbarschaft.

Inthronisierung eines Opferkollektivs

Obendrein ermutigen die tagtäglichen Denunziationen durch Medien und linke Politik keinen einzigen Mann dazu, sich zu Gewaltepisoden mit der Partnerin zu äußern. Auch Männer sollen – wie einst die Frauen – den Mund halten. Einen großen Unterschied gibt es allerdings: Frauen werden seit vielen Jahren dazu ermutigt, den Mund aufzumachen. Männern hingegen wird das untersagt. Der Grund ist einfach: die Gesellschaft und vor allem linke Parteien wollen Frauen als ein phantasiertes Opferkollektiv inthronisieren:  Dazu braucht sie einen „Feind aller Frauen“.  Da bleiben nur die Männer übrig. Zumal es keinen Sinn macht, von Opfern auf beiden Seiten zu reden. Irgendwie muss es einen Schuldigen geben, der verantwortlich ist. Zumal, wenn man nicht für Männer wie Frauen gemeinsame Lösungen für Gewaltausbrüche organisieren will. Davon will Politik bislang nichts wissen. Auch nicht davon,  was in der Bevölkerung – ganz zu schweigen von den Wissenschaften – zum alltäglichen Wissen gehört; auch Frauen schlagen zu wie Männer – und auch sie aus den  unterschiedlichsten Anlässen.

Kriminalstatistik hat ihre eigene begrenzte Bedeutung. Sie beschreibt Straftaten und Besonderheiten von straffälligen Personen. Und wo keine Gerichtsakte, da nichts Auffälliges! Das Stochern im Dunkelfeld ist deshalb keine Lösung. Es gleicht dem Lesen im Kaffeesatz oder der Weisheit der Glaskugel. Und bislang versorgt der bundesministeriell gewählte Holzweg die Gesellschaft mit Horrorszenarien über Männergewalt  Mit Wissenschaft und Wahrheit hat das nichts gemein.

Forschung tut not

Es stimmt, Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, mitunter auch extrem abscheuliche, aber die gegen Männer nicht minder. Erst wer beides akzeptiert, kann erfolgreich helfen und Gewalt in Familien mindern.  Die Bundesministerien  müssen unzensierte Forschung ermöglichen, aber auch  Wissenschaftler müssen sich wagemutig an die schwierige Materie heranwagen. Die Konsequenz würde sein, dass wir Beratungseinrichtungen haben, die allen in Gewaltdynamiken verwickelten Mitgliedern einer Familie dabei hilft, mit Worten statt mit Fäusten oder Tritten sich zu wehren.

Hierzulande wird darüber gestritten, ob wissenschaftlich wahr sein kann, was politisch nicht wahr sein darf: dass Männer wie Frauen gleichermaßen kontrollierend, aggressiv und gewalttätig sein können. Die pausenlos verbreitete Schimäre von „toxischer Männlichkeit“ ist so falsch wie die mitschwingende Schimäre von der „friedliebenden und gewaltlosen Frau“ von der Margarete Mitschlich einst träumte.

Ein relevanter Ansatz ist in dem Handbuch  Familiäre Gewalt im Fokus“zu finden. Der Anhang enthält die gekürzte Fassung eines Beitrages über Risikofaktoren im Vergleich der Geschlechter Mann-Frau Kap3-Handbuch

Vorbild USA

Während hierzulande Befragungen noch immer unterdrückt werden, die Gewalttätigkeiten von Frauen dokumentieren, wurde das in den USA bereits 1984 erforscht. Männer und Frauen wurden gefragt, ob sie ihren Partner im letzten Jahr geschlagen haben. Beide wurden als mögliche „Täter“ und nicht als mögliche „Opfer“ angesprochen. Das erforderte Wahrheitsliebe und Selbstkritik. Das Umfrageergebnisse:  Frauen schlagen so häufig wie Männer und jeder Fall ist höchst individuell. Die Frage, die in unserer Gesellschaft noch gar nicht gestellt wird, heißt dann: Was passiert eigentlich in Familien, was die Kriminalstatistik nicht erkennen kann?

Der Frankfurter Kongress gegen Familiäre Gewalt

Wie zügellos der Kampf gegen die Wahrheit betrieben wird, zeigte 2018 der Versuch, den Internationalen Kongress zu familiärer Gewalt an der Frankfurter Universität zu verhindern. Um die Schimäre von „toxischer Männlichkeit“ und „weiblicher Gewaltlosigkeit“ am Leben zu erhalten, wurde den Referenten und dem Kongress von dessen Präsidentin, Prof. B. Wolf, Unwissenschaftlichkeit und sogar Antisemitismus nachgesagt. Jedes Mittel scheint Recht, um die Spaltung der Gesellschaft zu betreiben, in der Männer und Frauen sich als unversöhnliche Feinde begegnen. Ein verwerfliches Spiel, das nicht nur familiäre Gewalt über die Generationengrenzen hinweg verfestigt, sondern ganz altmodisch getrennte  Lebenssphären von Männern und Frauen wieder auferstehen lassen wird.

 

 

2 Responses to “Gewalt gegen Frauen oder Männern: Von der Ideologie zur Forschung”

  1. Jochen Becker sagt:

    Anschließend an diese Feststellung stellt sich die Frage, welcher politische Wille dahintersteckt wieder getrennte Lebenssphären zu etablieren? Die analytische Beleuchtung dieser gesellschaftlichen Tendenz verdient intensivere Untersuchungen. Ohne die Kenntnis der Gründe und Absichten unserer herrschenden Eliten läßt sich dieser Prozeß nicht verhindern. Diese Entwicklung muß auch im Zusammenhang mit anderen gegenwärtig stattfindenden Entwicklungen verstanden werden wie z.B. Demokratie-Abbau, Re-Feudalisierung und umfassende Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung. Bitte veröffentlichen Sie dazu qualifizierte Beiträge.

    • E.Kuhla sagt:

      “Qualifizierte Beiträge”: Sie meinten wahrscheinlich “weitere….Beiträge”. Die können Sie finden, wenn Sie auf unserer Webseite z.B. “Gewalt” suchen. . Die anderen, von Ihnen vorgeschlagenen, Themen entsprechen nicht unserem Themenspektrum.

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