Staat (GH)

Staat heißt: Herrschaft einer professionellen Bürokratie mit einem legitimen staatlichen Zwangsmonopol auf einem bestimmten Territorium. Der Staat ist die heute dominierende Herrschaftsform. Er wird vor allem durch internationalen politischen Wettbewerb, durch schwächer werdende freiheitliche Garantien des Rechtsstaates, durch den Markt, der ihm die Ökonomie weitgehend entzieht, durch gesellschaftliche Gegengewichte wie Familie, Kirchen, freie vereine usw. und entsprechende Sitten und Traditionen in Schach gehalten. Im Unterschied zu den „zivilen“ Märkten ziehen Staaten als Gewaltmonopolisten eine breite Blutspur hinter sich her. Staat bedeutet immer Zwang von Menschen gegen Menschen, mag dieser auch rechtsstaatlich reguliert sein, und er bedeutet immer eine Versuchung für die gerade herrschende politische Klasse, ihre Macht zu missbrauchen, die er ja im Monopol besitzt. Darum ist es wünschenswert, den Bereich dessen, was durch den Staat beherrscht wird, klein zu halten und die Staatsmacht selbst zu dezentralisieren (Föderalismus, Kommunalismus). Das Zentralproblem einer freien Gesellschaft lautet heute: wer schützt uns vor unseren Beschützern? Nicht der „Neoliberalismus“ sondern der Wohlfahrtsdespotismus des Staates ist in Westeuropa gegenwärtig die Hauptgefahr.

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