Das Freisprech und die Sprache

Von unserem Gastautor Alexander Wiechec

 

Kürzlich traf ich eine Bekannte, wie üblich tauschten wir uns aus, bis sie mich unterbrach – ein wenig unwirsch – mit den Worten: „Das sagt man doch nicht so!“ Es stellte sich heraus, dass ich ein maskulines Wort (“der Lehrer”)  für eine allgemeine Aussage gebrauchte, wobei ich die weiblichen Lehrer gewöhnlich mit einschliesse. Das fand sie diskriminierend. Korrekt müßte es doch heißen “Lehrer und Lehrerinnen”. Nach dem Treffen fragte ich mich, was da eigentlich abgelaufen war. Offensichtlich gehört es nunmehr auch zum allgemeinen Sprachgebrauch, im Plural die Frauen mit zu nennen. Meine Gedanken nahmen ihren Lauf…….

Du sollst

Meine Freundin hat mit ihrem Unterbrechen meinen Gedankenfluss, meinen Redefluss einfach angehalten, ja sogar eigenmächtig unsere Diskussion auf ein anderes Thema gebracht. Ihr Verhalten Verhalten offenbart ein Denken, das den Zugang zur Wahrheit nicht im Herzen verortet, sondern in den Köpfen ( einiger weniger „Spezialisten – die es ja wissen müssen“), das jetzt den moralinen Führungsanspruch der Korrektheitspäpste hervorbringt.

Die Genderisten, Korrektisten und sonstige Isten wollen uns zurückschicken in die Zeit der Zehn Gebote: Du sollst nicht „Studenten“ sagen, du sollst nicht von „Mitgliedern“ reden, du sollst nicht so oder so oder so reden, sondern so oder so oder so („wie WIR das für richtig halten“). Du sollst Gott, den Korrekten, ehren und lieben – aber nicht wie dich selbst, denn er weiß es ja besser als du. Es ist, wie vieles in unserer Zeit, ein Rückfall in frühere Kulturepochen, was da bei der neuen Sprach- und Moralpolizei lebt. Der Rückfall in das Alte (Testament)  findet statt, weil das Neue nicht ergriffen und verstanden  wird.

Daran wollen wir arbeiten. In diesem Falle am „Freisprech“ (1).

Das Freisprech

Was ist Freisprech? Freisprech heißt: ich bin der Gestalter meines Redens und Schreibens (und überhaupt meines Tuns, aber wir beziehen uns hier zunächst auf die Sprache) – ohne wenn und aber. Es heißt aber zugleich, daß ich danach strebe, aus dem fühlenden und kreativen Kern in mir meine Rede zu führen. Keiner Willkür also wollen wir das Wort reden, sondern der Kreativität. Das heißt zugleich: ich vertraue mir und daß es diesen Kern gibt, ich vertraue darauf, daß in der Freiheit und aus der Freiheit heraus sich alle Wesen begegnen und in Einklang kommen können.

Und nicht aus dem Diktat. Das führt nämlich zum Krieg. Oder zu George Orwell: „Alle Menschen sind gleich – nur einige sind gleicher.“ – in freier Abwandlung. Freisprech heißt, Reden, das aus dem Herzen kommt und nicht aus dem Kopf, der, wie in der Schule, „Regeln beachten muß“, um dann von den Korrektheitslehrern gute Noten zu bekommen. Es ist eine Dressur, die im Moment stattfindet (nicht nur auf dem Gebiete der Sprache). Das widerspricht dem Wesen und der Würde des Menschen. Zu diesem freien und kreativen Reden, zum fühlenden und wertschätzenden Umgehen mit der Sprache, wollen wir von ganzem Herzen einen Beitrag leisten. Weil wir die Sprache lieben und die Freiheit, und die Sprache als ein Organ der Freiheit.

Sprich dich frei – das ist die neue „Spreche“, die neue Devise. Was aber heißt frei? Nicht, alle Regeln und alles Gewachsene über Bord zu werfen. Das sind die Säulen und der Boden in der Kathedrale der Sprache – auf daß ich frei und mit Ehrfurcht mich in ihr bewegen kann. Schon gar nicht, daß Einige wenige, die sich moralisch oder sonst wie überlegen fühlen, vorgeben, wie „man“ zu sprechen habe. Sprich dich frei! Nackt und ohne Scheu, mit Lust und Freude und ohne falsche Gebote. Das Gebot ist in dir! Du mußt nur deinen Spürsinn erwecken, dein Fühlen erwecken.

Das Sprachgefühl

Am Vertrauen ins Fühlen hängt alles! In ihm finden wir Freiheit, finden wir Stimmigkeit, finden wir uns. Und wenn wir nicht Fühlen lernen – das Fühlen der Stimmigkeit, die uns Orientierung bietet, nicht die Alltagsgefühle, die privaten – dann werden wir geführt. Wer nicht fühlt, wird geführt. Das hängt zusammen. Wenn der innere Führer fehlt, der im Fühlen lebt, dann kommt der Führer von außen, so oder so. Der äußere Führer muß sich aber nicht in Brüllen und Kriege führen zeigen, in unserer Zeit ist es ein Mr. Smart geworden, ein Mr. Oberkorrekt und einer, der untergetaucht ist, noch dazu. Das ist nur eine neue Metamorphosestufe des Gleichen.

Freiheit, ist, wenn sich`s frei anfühlt. Freiheit ist, wenn ich so reden kann, wie ich es verantworte. Ja, Freiheit heißt, daß ich der Zuständige bin, der Gestalter bin. Hinweg mit allen Vorgaben! Wir sind dazu aufgerufen, und können es auch, in uns selbst die Gestaltungsinstanz zu finden. Eigentlich ganz selbstverständlich.

Das „Freisprechen“ macht im Handwerk aus einem Lehrling einen Gesellen, und das „FreiSprech“ aus einem ehemals gendersensiblen Bürger wieder einen freien Bürger, ohne das „Das darf man doch nicht sagen!“ Welch‘ wundersame Metamorphose……..

(1)  “FreiSprech” ist der Name einer AGENS – Aktion.

 

 

 

One Response to “Das Freisprech und die Sprache”

  1. Gunther Herzlich sagt:

    Der größte Witz an dieser sprachlichen scheinbaren Korrektheit ist doch die
    die Tatsache, dass sie n i c h t im Negativkontext gilt bzw. angewendet und ausdrücklich gefordert wird.
    So bleiben die Hintermänner männlich und heißen nicht Hinterleute.
    Die Verbrecher können natürlich ruhig “männlich” bleiben.
    Hier wird großzügig auf die weibliche Form verzichtet.Verbrechen ist doch auch männlich dominiert.( Obwohl, Frauen holen auf diesem Gebiet immer mehr auf. Wird allerdings sprachlich überhaupt nicht gewürdigt.)
    Da wird in aktuellen Krimis fast ausschließlich über d e n vermeintlichen Täter schwadroniert. Selbst wenn am Ende eine Täterin die Böse ist.
    Wenn allerdings irgendwann einmal neben tausenden von Männern auch eine Frau unter Tage gearbeitet hat, so muss es gleich “Bergleute” heißen.
    Ebenso die “Seeleute”, “Feuerwehrleute”, nur nicht die “Müllleute” oder gar “Müllfrauen”.
    Alles ein wenig einseitig. Eigentlich so wie immer im Feminismus….

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