Von Traumfrauen und Supermännern

Zur Abwechslung mal etwas anderes: Dieser Tage landete ein amüsantes Buch in unserem Posteingang, mit der Bitte um eine Rezension. Zwar passt die Thematik nicht unbedingt zum Kernthema von Agens, andererseits haben wir schon weit unpassendere Anfragen bekommen. Außerdem haben wir das Buch zugegebenermaßen mit einem Vergnügen  gelesen, an dem wir unsere Leser gerne teilhaben lassen möchten. Deshalb, an Stelle einer Rezension, ein Interview mit dem Autor des Buches, durchaus geeignet, sich ein Bild von Eugen Prinz und seinen Traumfrauen und Supermännern zu machen, es folgt:

Das Interview Agens mit Eugen Prinz

Agens:

Kannst du unseren Lesern eine kurze Charakterisierung deines Buches „Traumfrauen und Supermänner“ geben?

Eugen Prinz:

Gerne. Das sind 15 Erzählungen über Liebe, Lust und Leidenschaft, angesiedelt in einer bohèmen, studentischen Szene der sechziger und siebziger Jahre, bittersüß, philosophisch, anarchisch, romantisch und im weitesten Sinne erotisch.

Agens:

Was bedeutet „im weitesten Sinne erotisch“?

Eugen Prinz:

Ich gehe davon aus, dass meine Leser bereits wissen, „was wo hineingehört“ usw. Andeutungsweise kommen zwar fast alle Varianten der Sexualität ins Spiel. Aber Erotik, Sex oder Liebe stehen in meinen Geschichten nicht unbedingt im Mittelpunkt, sondern sind in erster Linie Anlass für Irrungen und Wirrungen, Höhenflüge und Abstürze der Akteure. In dieser Hinsicht geht es jedenfalls ganz schön zur Sache.

Agens:

Ja, und was ist dabei Dichtung und was eigenes Erleben?

Eugen Prinz:

Ich bin ja nur Erzähler. Aber ich habe jahrzehntelang Musik und Theater gemacht,  mich in der Kunstszene herumgetrieben und mehr, und das zu einer Zeit, als „die Pille“ schon verfügbar, Aids aber noch nicht verbreitet war. Dazu kam die 68er Bewegung, mit ihrer Liberalisierung der Sexualmoral. Es erstaunt mich geradezu, dass diese Bedingungen keinen stärkeren Niederschlag in der einschlägigen Literatur fanden. Immerhin haben sie eine gewisse Freizügigkeit ermöglicht. Da kamen schon ein paar  „Begegnungen“ zustande, nicht immer erfolgreiche, aber fast immer ein Quell der Inspiration. Das war sozusagen mein Ausgangsmaterial. Daraus habe ich dann erzählbare Geschichten gemacht, damit meine Leser auch etwas davon haben.

Agens:

Was waren denn so die erwähnenswerten Happenings?

Eugen Prinz:

Na ja, es wurde gemunkelt von Orgien in Künstlerateliers, von einer Tätigkeit als Nachtclubmanager, von einem Harem aus Dekorateurinnen, den ich in den Siebzigern gehabt haben soll und solche Sachen …

Agens:

…was für Sachen……?

Eugen Prinz:

Ach, das sind eher lüsterne Phantasien von Neidern oder Bewunderern, die ich allerdings nicht zu energisch dementieren will, denn einem Autor von erotischen Erzählungen schaden sie sicher nicht. Aber langweilig war es jedenfalls nicht in jenen Tagen, und ich habe auch Rückmeldungen, dass das in den Geschichten sehr schön zum Ausdruck kommt.

Agens:

Ist „Traumfrauen und Supermänner“ auch ein Buch für Frauen?

Eugen Prinz:

Meine letzte Sorge! Der Buchmarkt ist weitgehend frauendominiert: Autorinnen, Lektorinnen, Leserinnen, Protagonistinnen. Hätte ich das beim Schreiben berücksichtigt, hätte ich gar nicht erst anzufangen brauchen. Aber es haben bisher sogar leicht überwiegend Frauen mein Buch erworben und durchaus erfreuliche Rückmeldungen gegeben.

Agens:

Worauf führst du das zurück?

Eugen Prinz:

Vielleicht liegt es daran, dass in meinen Erzählungen Frauen wie Männer gleichermaßen die Handlungsimpulse setzen. Frauen sind hier keine Projektionsfläche für männliche Begierden – und Männer sind keine hirnlosen Triebwerke. Das mag es alles geben, aber das wäre langweilig und allenfalls Gegenstand von Pornografie.

Agens:

Was ist authentisch an deinen Charakteren und den doch ziemlich exotischen Schauplätzen, wie einer Spielbank, einer Theaterpremiere, einer Schiffstaufe, einer Schwulenbar usw.

Eugen Prinz:

Schöne Frage! Authentizität ist ja ein wichtiges Qualitätsmerkmal, hat aber nichts damit zu tun, ob eine Geschichte sich tatsächlich so ereignet hat oder nicht. Ich war eigentlich bei jeder Zeile autobiographisch inspiriert. Es ist ja auch schwer aus einem leeren Brunnen zu schöpfen, nicht wahr? Aber auch eine frei erfundene Geschichte kann authentisch sein. Eine Biogra­fie, Dokumentati­on oder ein Tagebuch sollte es jedenfalls nie werden. Der Buchtitel hat insofern durchaus seine Berechtigung. Letztlich ist mein Credo: Besser eine gut erzählte erfundene Geschichte, als eine schlecht erzählte „wahre“.

Agens:

Wie wahr! Aber ist das nicht eine reine Geschmacksfrage?

Eugen Prinz:

Beileibe nicht. Ob eine Erzählung gefällt, das ist die eine Frage … die an der Ladenkasse beantwortet wird. Ob sie gut ist, eine andere. Was das im Hinblick auf schriftstellerische Qualität bedeutet, zeigen unzählige schlechte Bücher mit hohen Auflagen: Zu Tode gerittener Plot, flache Plapperprosa, schablonenhafte Figuren, mangelnde atmosphärische Dichte, staffagenhafte Milieus. Doch, doch, es gibt durchaus unabhängige Qualitätskriterien. Ich habe keine Ausbildung als Schriftsteller. Genau genommen gibt es so etwas überhaupt nicht. Erstaunlich, nicht wahr? Dennoch hoffe ich, die schlimmsten Fehler vermieden zu haben.

Agens:

Ein Beispiel für ein schlechtes Buch?

Eugen Prinz:

Heute darf ja jeder und jede ein Buch schreiben und veröffentlichen, und manchmal gewinnt man den Eindruck, es gäbe inzwischen mehr Schreiberlinge als Leser. Mit letzteren, also mit der immer seltener werdenden Spezies der Leser will ich es mir nicht verderben, indem ich versehentlich ihr Lieblingsbuch verdamme. Noch habe ich ja Hoffnung ein paar Exemplare „Traumfrauen und Supermänner“ verkaufen zu können.

Agens:

Also dann andersrum gefragt: Was ist denn dein Lieblingsbuch?

Eugen Prinz:

Der Roman „Freitag oder im Schoße des Pazifik“ des französischen Schriftstellers Michel Tournier. Eine wunderschöne Neuschöpfung von Daniel Defoes „Robinson Crusoe“, also eines Mannes, der auf einer Insel gestrandet auf sich selbst zurückgeworfen ist.

Agens:

…und was macht so ein einsamer Mann auf einer ebensolchen Insel?

Eugen Prinz:

Der zivilisationsmüde Mann unserer Tage würde natürlich antworten: Er genießt die Ruhe! Aber so einfach lässt Tournier seine Leser nicht davon kommen. Sein Robinson entdeckt, neben vielem anderen, auch seine Sexualität neu.

Agens:

Na, ja, Zeit hatte er dafür ja genug. Hast Du Deinen Robinson denn schon mal in Dir entdeckt?

Eugen Prinz:

…meinen Robinson!? Eine nette, vieldeutige Umschreibung – die es aber gut trifft, wie ich finde. In fast jeder meiner Erzählungen kommt „mein Robinson“ zu Wort. Der Welterfolg dieser Figur – leider noch nicht der meines Buches, ehüm – beruht ja gerade darauf, dass damit elementare Motive des Mannes angesprochen werden. Die Sexualität ist dabei freilich nur ein Teilaspekt, der bei Defoe außen vor bleibt, von Tournier großartig einbezogen wurde und in meinen Geschichten zur Quelle der Inspiration avanciert ist.

Wenn du aber nach der Neuentdeckung der Sexualität fragst – daran kommt wahrscheinlich kaum ein Mann im Laufe seines Lebens vorbei. Die ist ja, wie es schon Sigmund Freud erkannte, ein so machtvolles, beständiges  Motiv …

Agens:

Ja …?

Eugen Prinz:

(lacht) … dass man bei manchen Männern am Schluss noch nicht mal den Sargdeckel zukriegt! Das stammt jetzt natürlich nicht von Freud. Aber du willst wahrscheinlich eher etwas über mein männerpolitisches Engagement wissen.

Agens:

Ja, ist das immer noch ein Thema für Dich?

Eugen Prinz:

Es gibt auch den „anderen“ Robinson, d. h. man kann auch in einer Großstadt einsam, gestrandet, auf sich alleine gestellt sein, sein Leben neu aufbauen müssen oder zugrunde gehen. Häufig ist es eine biografische Krise, ein Schiffbruch im übertragenen Sinne oder etwas in der Art, ganz zu schweigen von den altersbedingten Risiken. So gesehen gab es das bei mir natürlich auch. Ich denke, viele Männer, die sich Agens oder Manndat anschließen, können da mitreden.

Nach annähernd 15 Jahren habe ich mich von der Männerrechtsbewegung etwas zurückgezogen, nicht gerade weil die Probleme gelöst wären, haha, vor allem eher deswegen, weil ich einen dynamischen Wechsel der Protagonisten für sehr produktiv halte. Eine politische Bewegung, die dauerhaft nur von einigen wenigen aktiv vorangetragen wird, hat m. E. ein Legitimationsproblem.

Ansonsten war mein Motto schon immer „Mann UND Frau“, so wie Agens auch für längere Zeit das Motto hatte: „Mann, Frau, miteinander!“ In dieser Hinsicht wird den geneigten Lesern und Leserinnen meines Buches jedenfalls ordentlich was geboten, und es würde mich sehr freuen, wenn sie Vergnügen an meinen „Traumfrauen und Supermännern“ fänden.

Agens:

Vielen Dank, Eugen Prinz. Vielleicht konnten wir Männer und Frauen unsere nicht enttäuschte  Neugier teilen.


Bezugsquelle hier: https://maus-verlag.de/

 

 

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