Bürger und Bürgerinnen

Daniel Langhans schrieb am 10.01.12:

Aus Amerika kam vor einigen Jahren ein Buch, das nachhaltig Wirkung hatte: „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“. Damit geschah Uner¬hörtes. Es wurde gewagt, den „kleinen Unterschied“ beim Namen nennen, also tatsächlich „männliche“ und „weibliche“ Eigenschaften und Verhaltensweisen konkret zu beschreiben.

Ach, Sie wissen nicht, warum das „unerhört“ zu nennen ist? Haben Sie denn noch nie beobachtet, wie man(n) oder frau sich in den letzten drei Jahrzehnten abrupt in Verlegenheit gebracht sah, wer es wagte, bestimmten Eigenschaften oder Verhaltensweisen das Prädikat „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ zuzuordnen? So etwas durfte man zwar denken, es aber zu sagen, war im höchsten Maß gesellschaftlich inkorrekt.

Das Buch und in seinem Gefolge weitere Publikationen dieser Art behaupten schlicht, es sei möglich, Unterschiede zwischen Mann und Frau konkret zu beschreiben – und zwar über den biologisch / objektiv feststellbaren Sachverhalt hinaus, also Unterschiede des männlichen gegenüber dem weiblichen „Wesen“.

I. Inklusive oder explizite Sprache?

„Mitbürger, Freunde, Römer…“ – nun, Brutus hat damals, nach dem Mord an Cäsar, noch nicht gewusst, wie er sich gesellschaftlich korrekt in der Sprache des ausgehenden 20. Jahrhunderts ausdrücken muss: „Mitbürgerinnen und Mitbürger, Freundinnen und Freunde, Römerinnen und Römer“. Ja, hätte er es nur so gesagt.

Dann wären seine Reden zwar etwas länger ausgefallen, aber: Es wären uns möglicherweise zwei Jahrtausende patriarchaler Geschichte bzw. männlicher Vorherrschaft erspart geblieben – oder?

Unsere Politiker, die ja von beiden Geschlechtern gewählt werden wollen, sind diesbezüglich berechnend: “Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer”, “Bürgerinnen und Bürger” – Wer möchte sich vorwerfen lassen, er spreche die Frauen nicht an? Die Stimmen, welche ein solcher Vorwurf bei der nächsten Wahl kosten könnte, will keiner riskieren. Und auch Oberhirten haben sich dem Zeitgeist unterworfen – im (scheinbar) guten Glauben, dass um des „Erreichens der Zielgruppen“ willen eine sprachliche Anpassung unabdingbar sei. Hier gehts weiter…

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