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Gender: Sprache als Vermittler von Identität

Autor: Eckhard Kuhla

Zusammenfassung der Vorträge einer Tagung der Katholischen Akademie Mainz am 3.2.18 (1)

 

 

(Quelle:Heise)

Gender Mainstreaming – was hat das mit Pädagogik zu tun? (Referent:  Josef Kraus)

Kraus (ehem. Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes) begann seinen Vortrag mit Definitionen: Das Gender Mainstreaming (GM) basiert auf der Unterscheidung des sozialen Geschlechts („Gender“) und des biologischen Geschlechts („Sex“). Das GM beinhalte viele Teilprogramme, wie z.B. die Gender Linguistik. Er zitierte dazu Wittgenstein: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“. Oder mit anderen Worten: Beeinflusst man die Sprache, verändere man auch die Wahrnehmung und die Realität.

Das GM fand 1999 Eingang in die Politik über den Amsterdamer Vertrag(EU), und in Deutschland 2000 durch einen Kabinettsbeschluss – ohne parlamentarische Debatte. Die Gender Pädagogik, als Teil von GM,  wurde in den letzten Jahren in die Bildungspläne und Lehrpläne der Länder integriert, speziell zum Thema „Akzeptanz sexueller Vielfalt“. Vorreiter Hessen, so Kraus, mute den Kindern sehr früh die Auseinandersetzung mit Sexualität und ihren verschiedenen  Lebensentwürfen zu.

Ein erstes Gegen-Gutachten (Prof Winterhoff,Uni Göttingen) kam zu dem Schluss: Gender-gerechter Unterricht in der Schule verstoße gegen das Indoktrinationsverbot. Eltern hätten zudem das Recht, ihre Kinder vor solchem „Aufklärungsunterricht“ fernzuhalten.

Bezüglich der bereits jetzt schon feststellbaren Auswirkungen von Gender fasste Kraus zusammen: die mangelnde Werteorientierung unserer Gesellschaft  öffne Tor und Tür für die weitere  Durchdringung der Gendertheorien. Bezüglich des Themas Gender und Familie (Art. 6 GG) meinte Kraus: “Ich befürchte einen Kulturkampf“.

Kritik an der feministischen Sprache (Referent: Tomas Kubelik)

Kubelik (Sprachwissenschaftler und(!) Mathematiker) zog eine Linie von der Gründung der Akademie Francaise in 1630 bis hin zum Verbot der Gendersprache durch die Macron-Regierung in 2017. Die französische Gendersprache arbeite z.B. mit Pünktchen für den  Plural: beispielsweise aus „les députés“ wird im weiblichen Plural  „les debuté-e-s“. Obiges  Verbot beruhte auf einen Bericht der Académie Française mit der Begründung, dass Klarheit und Verständlichkeit prioritäre Ziele seien und keinen Befindlichkeiten geopfert werden dürfe. Auch wehrte sich die Akademie gegen eine unnötige Sexualisierung des grammatischen Geschlechtes. So lautete dann auch ihr Befund: die Gendersprache sei eine „tödliche Gefahr“ für die Sprache. 

In Deutschland geht man einen anderen Weg: nach den vielen „Sprachleitfäden“ der Unis und der öffentlichen Dienststellen gab der DUDEN-Verlag im letzten Herbst den „DUDEN- richtig gendern“ heraus. Kubelik kritisierte: Der Duden rücke damit von seiner Praxis ab, die Sprache zu beobachten, zu beschreiben und daraus  Regeln abzuleiten. Der Gender Duden beeinflusse dagegen aktiv die Sprache.

Das Festzurren der Gendersprache durch Regeln mache eine Ahndung bei Regelverletzung, z.B. bei Prüfungsarbeiten in den Unis, möglich. So wird In Österreich die Genehmigung von Schulbüchern von der Anwendung der Gendersprache abhängig gemacht. Nach Meinung von Kubelik kommt die forcierte Durchsetzung der Gendersprache einem Sexismus gleich. Bemerkenswert sei die geringe Anwendung der Gendersprache in „gegenderten“ Nationen, z.B. Norwegen. – Tröstlich sei, dass es noch Bereiche ohne gegenderte Sprache gibt: die Belletristik und weite Teile der Umgangssprache.

Zum Glück verschieden: Mann und Frau. Für eine neues Selbstbewusstsein anstelle von Gender (Referentin: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz)

Gerl-Falkovitz (Religionsphilosophin) referierte über die Themen Geschlecht, Identität, die Körper/Leib- Problematik und die alles verbindende Sprache. Judith Butler (amerikanische Rhetorik-Professorin und  Begründerin des Gender Mainstreamings)  behauptet, es gäbe keinen natürlichen Körper, der „vor der Sprache liegt“. Die Geschlechtszuweisung erfolgt erst durch Sprache, konkret durch eine Eintragung in die Geburtsurkunde mit  „männlich“ oder „weiblich“, mit anderen Worten, so Butler, durch einen kulturellen Diskurs bzw. Vereinbarung. Das Erkennen der Realität komme nur über die Sprache. Und diese wiederum, hat ihren Ursprung in der Kultur- und nicht in der unveränderbaren Natur.

Grundlage für diese Denkrichtung ist der Dekonstruktivismus. Danach sei  Kultur  veränderbar, ebenso wie die sprachliche Festlegung auf männlich/weiblich. Den Widerspruch zur biologischen Geschlechtszuweisung männlich/weiblich überbrückt Butler durch ihre  unbewiesene Annahme, diese Veränderbarkeit des Geschlechts beschreibe eine „fließende Identität“. Damit sei eine Inszenierung der Geschlechter-Vielfalt möglich, Beispiel: das sogenannte „3. Geschlecht“.  Gerl-Falkovitz illustrierte das Verändern von Sprache mit einem Beispiel aus dem Englischen: Die Grammatik wird quasi aufgebrochen durch das Ersetzen von he/she oder her/his, durch die offene Identitätsbeschreibung „they“ oder „their“. „This person carries their bag under their arm“. Oder:  Michael Jackson, der sich durch viele Operationen ein transsexuelles Gesicht geschafften hat, nach dem Motto: „My body is my art“. Und schließlich noch ein letztes  Beispiel: die zunehmende Androgynität von Schaufensterpuppen und damit auch ein Beispiel für fließende Identitäten .

Schlusswort der Referentin: „Bis vor kurzem dachte ich, Gender werde einfach verschwinden. Heute weiß ich: Gender geht weiter, wegen der Freigabe der Sexualität“, eine Aussage, die zum Erfolg der Gender Theorie beigetragen hat. „Stellen Sie sich argumentativ gut auf, denn gegen gute Argumente gibt es dauerhaft keinen Widerstand!“

Kooperationsprojekt VDS – AGENS (Anmerkung des Autors)

Die Gendersprache ist das Werkzeug der „fließenden Identität“ mit laufender Anpassung der Grammatik bis hin zur Zeichensprache. Die Arbeitsgruppe „Gendersprache“ wird u. A.  fortwährend in Fällen der Anwendung der Gendersprache die Normalsprache an mahnen. http://vds-ev.de/gegenwartsdeutsch/gendersprache/ Der entscheidende Funke wird von Politikern in die Gesellschaft überspringen. Wenn  wieder das einfache „Liebe Bürger“ (ohne das –innen Suffix) im Trend liegt, kommen wir unserem Ziel immer näher.

(1) http://www.kas.de/wf/doc/kas_24565-1442-1-30.pdf?171213101703

 

 

 

 

One Response to “Gender: Sprache als Vermittler von Identität”

  1. U.M. sagt:

    Leider sind Sie einer weitverbreiteten Zweckbehauptung aufgesessen. GM hat KEINE rechtliche Grundlagen auf europäischer Ebene.
    Eine Suchanfrage mit “rechtliche grundlagen” + “gender mainstreaming” ergibt zwar 18 700 Treffer, bei denen meist auf den Amsterdamer Vertrag von 1999 verwiesen wird. In dem geht es aber um Gehälter und Personalpolitik. Weder “Gender” noch “mainstreaming” kommen im deutschen Vertragstext vor.

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