Quo vadis Feminismus?

von Eckhard Kuhla

Ort der Handlung: Das Familienministerium. Da heiratet die Ministerin, nimmt den Namen ihres Ehemannes an, heiratet zudem noch kirchlich und bekommt dann noch ein Kind…-  das alles als Ministerin eines Ministeriums mit überwiegend feministisch orientierten Mitarbeiterrinnen. Das verdient Respekt. Damit aber nicht genug: diese couragierte Frau veröffentlicht vor kurzem ein Buch „Danke, emanzipiert sind wir selber“, das radikalfeministische Mantras hinterfragt. Der Aufstand der etablierten Frauenlobby folgte stehenden Fußes. Die aufgeregten Reaktionen der Rezensentinnen in den Printmedien reichen von Verriss bis zur Rücktrittsforderung.Bis auf eine Ausnahme: einen Rezensent(!), der die ihre Aussagen zur Selbstbefreiung der Frau besonders herausstellt(1).

Rollenleitbilder und Wahlfreiheit

Ministerin Schröder kritisiert in erster Linie zwei extreme Rollenleitbilder für Frauen: Auf der einen Seite das feministische regierungsamtliche Rollenleitbild mit finanzieller Unabhängigkeit vom (Ehe-) Mann, wenn möglich in Vollzeit tätig und wenn Kind, dann in Fremdbetreuung und auf der anderen Seite: das Frauenleitbild der „Strukturkonservativen“ mit dem Mann als Hauptverdiener und Kind(ern) in Eigenbetreuung. Beide Modelle lehnt sie in ihren extremen Ausrichtungen ab. Familien brauchen keine Rollenleitbilder, sie sollen frei wählen können, zwischen einer Sachleistung (dem Krippenplatz) und einer Geldleistung, die die Eigenbetreuung ermöglicht. Soweit die Aussage der Ministerin.

Ideologien – so wie der Radikalfeminismus – können nur dann erfolgreich Rollenleitbilder vermitteln, wenn sie klassische Rollenbilder von Mann und Frau diffamieren. Wenn Werte wackeln, hat die Ideologie ein leichtes Spiel – vor allem bei der Jugend. Dabei ist die schärfste Waffe die der Sprache. Beispielsweise mit dem Wort „Vielfalt“ (Diversity) werden in der Pädagogik die klassischen Rollen von Mann und Frau in Frage gestellt, um dann ideologische Rollenleitbilder um so einfacher als „die“ Wahrheit vor Kindern und Jugendlichen zu verkünden.

Die fast einhellige Medienkritik des Schröderbuches durch den feministischen Mainstream, lässt vermuten: hier geht es nicht  um einen Diskurs verschiedener Lebensentwürfe (gab es den jemals in den letzten Jahren?),  hier geht es um etablierte Positionen und Pfründe „gleichstellungsorientierter“ FunktionsträgerInnen mit einem jährlichen Finanzvolumen in mehrstelliger Millionenhöhe.  Angesichts dieser Beträge sprechen viele Autoren auch von der „Feminismusindustrie“(2), Selber emanzipiert zu sein, kommt einer Kriegserklärung an die Selbstverliebtheit von Feministinnen in die Ohnmachtsideologie gleich, die ihnen Einkommen, Sinnstiftung und Herrschaft beschert. (3)

Gleichstellung heute

Es geht schon lange nicht mehr um das Kerngeschäft der Gleichstellung, nämlich der Sicherung der Chancengleichheit für die Mehrheit der Frauen. Es geht vielmehr um Quoten , mit anderen Worten um  Pfründe, Macht und Einfluss für eine Minderheit. Mit der Welt der Gleichstellung hat sich eine Parallelwelt in den öffentlichen Verwaltungen, in den Redaktionsstuben und Lektoraten entwickelt. Mit ihrem totalitären Anspruch ist radikale  Frauenpolitik in ihren  vernetzten Strukturen an den wichtigen Schaltstelle unserer Gesellschaft  präsent – häufig nur im Hintergrund wirkend.  Es ist eine Parallelwelt, in der Status und Position für Jahre hinaus gesichert zu sein schien. Das macht träge. Diese Trägheit wird zunehmend von einer paternalistischen Anspruchshaltung begleitet, die beispielsweise die klassische Rolle des „Vaters“ dekonstruiert, um sie dann durch den  „Vater Staat“ zu ersetzen…….

Mittlerweile fehlt der Frauenlobby die Zugkraft für den Aufbruch zu neuen Ufern. Die Aussageformen sind erstarrt und ohne Inhalt, wie eine Vase ohne Blumen. Die jetzige Gleichstellungspolitik vor Ort lebt von fast hilflosen Ersatzaktionen – abseits vom ehemaligen Kerngeschäft, wie  „Radfahrkurse für Migrantinnen“ oder „Motoresägekurse  für  Frauen“. Als ob die  meisten Frauen in den Kommunen nicht wichtigere Probleme hätten…..

Feindbild versus Neuanfang

Es gab 2009 die Chance zu einem Neuanfang. In dem damaligem Koalitionsvertrag wurde festgehalten, eine „eigenständige Männer- und Jugendarbeit“ zu entwickeln. Das wäre die Gelegenheit gewesen, eine neue Geschlechterpolitik für Mann und Frau auf Augenhöhe zu initiieren, weg vom Geschlechterkampf. Aber nein, nach dem Erreichen der formalen Gleichberechtigung hat der Feminismus  die politisch gewollte „eigenständige Männerpolitik“ flugs in eine  „gleichstellungsorientierte“, sprich Frauen fördernde Politik, umgemünzt . Dies geschah wohl auch aus Angst davor, dass die Frauenfördermittel durch eine drohende Männerförderung gekürzt werden könnten. Übrigens: dieser Etikettenschwindel geschah ohne erkennbaren Widerstand in der männlichen Politszene.

Die Umfirmierung war für die Frauenlobby notwendig, denn die Mehrheit der Gleichstellungsbeauftragten kann einfach nicht für das einmal erlernte Feindbild „Mann“ politisch-soziale Arbeit zu leisten. Eklatantes Beispiel dafür: Einer Gleichstellungsbeauftragten hatte der zuständige Stadtrat mit männlicher Mehrheit(!) im letzten Jahr gekündigt. Kündigungsgrund: Monika Ebeling hätte mit ihrer Männerarbeit die Frauenarbeit vernachlässigt.

Dieser Fall ist symptomatisch für die jetzige Frauenförderung: einer zukünftigen Politik für Mann UND Frau auf Augenhöhe steht sie sich mit ihrem Feindbild „Mann“ selber im Wege. Fragen, wie Männer und Frauen ihre privaten und beruflichen Beziehungen…… sind viel zu komplex, als dass sie dem polarisierenden Denken von Feministinnen überlassen werden sollten. Zum Glück äußern sich jetzt auch immer mehr Männer zu diesen Fragen (3). Zunehmend erscheinen am Buchmarkt Bücher von männlichen Autoren, die sich über ihre Rollenbilder als Mann und als Vater Gedanken machen. Aber vielleicht zu viele Gedanken, denn jüngere Journalistinnen karikieren in jüngster Zeit die „Selbstfindungs-Männer“ , eigentlich ein nicht weiter ernst zu nehmendes Phänomen. Denn: Männer brauchen keine – genauso wenig wie Frauen – freundliche Anleitungen zu einem „richtigen“ Mann -, bzw. Frau Sein. Das schaffen sie schon alleine. Es bleibt nur zu hoffen, dass mit dem derzeitigen Prozess sich Mann und Frau in der Tat von den Rollenleitbildern abnabeln…

Auch in der Bevölkerung merken vor allem Familien die Auswüchse radikalfeministischer Politik:  Immer mehr Eltern werden von den Auswirkungen feministischer Ideologie auf ihre Söhne in Kindergärten, Schulen und Universitäten aufgeschreckt. Das Ende dieser Duldsamkeit beschleunigt sich zur Zeit, weil die feministische Ideologie partnerschaftlich ausgehandelte Familienmodelle von Millionen von Menschen als rückschrittlich abtut (3).

Hin zu mehr Eigenverantwortung

Eine totalitäre Ideologie, wie die des Radikalfeminismus  erzeugt in der Regel eine Gegenbewegung. Ein solches Phänomen  deutet sich an  mit dem Erscheinen des Buchen von Kristina Schröder,  einer Vertreterin der jüngeren  Generation. Sie spricht von einem „Kulturkampf“ zwischen den Feministinnen und den struktur-konservativen Frauen. In diesem Kampf könnte der Radikalfeminismus scheitern an seiner selbst gesetzten inhärenten Unfähigkeit, Frau UND Mann als Einheit und Ergänzung zu sehen. Das scheint auch auch ein erstaunlicher Blog der Böll-Stiftung zu spüren: Von einem einheitlichen feministischen „WIR“ ist heute nicht mehr auszugehen frauenpolitische Ansätze haben sich ausdifferenziert und sich sichtbar divers, auch emanzipierte Männer diskutieren mit“(3). Sic! Mit „emanzipierten Männern“ sind die feministisch orientierten Männer gemeint.

Dieser Kulturkampf wird Pfründe und Fördermittel, die kaum hinterfragte  finanzielle Basis der Frauenlobby, thematisieren –  besonders deren fehlende Qualitätskontrolle. Jedes öffentlich geförderte Vorhaben unterliegt der Nachprüfung der „sachgemäßen Mittelverwendung“. „Sachgemäß“ heißt „nachweisbare Umsetzung der Ergebnisse“ – sofern Ergebnisse überhaupt erzielt wurden…….Dieser Nachweis wurde nach unseren Erkenntnissen  in den letzten Jahren bisher in keinem Bereich der Gleichstellungsarbeit geführt.

Eine eventuelle Neuausrichtung der Fördermittel und die Befreiung von den Rollenleitbildern wird ein Nachdenken über die Zukunft der Gleichstellungspolitik nach sich ziehen. Denn, wenn Mann und Frau ihre ureigensten (Familien-) Probleme alleine lösen, bedarf es immer weniger der Hilfe von außen. Deswegen appelliert  Kristina Schröder an die der Mann und Frau innewohnenden Kompetenz,  in einem MITeinander ihre Rollen in einem kontinuierlichen, empathischen Prozess zu hinterfragen und zu finden. Das gegenwärtige Verdammen, die Diffamierung der „klassischen Rollenstereotype“ wird dann hoffentlich ein Ende finden: Menschen in der Verwirklichung ihrer eigenen, ganz persönlichen Vorstellungen von einem guten Leben zu unterstützen, ist der Auftrag an die Politik, und dabei ist Zeit die Leitwährung, weil sie Gleichberechtigung und Verantwortungsfähigkeit gleichermaßen fördert (5).

Quo vadis Feminismus? Ein neuer, sinnstiftender Feminismus, kann sich nur zu einem Agens entwickeln, wenn sich die Frau von ihren derzeitigen Fremdbestimmtheiten, sei es durch die Politik oder durch die Arbeitswelt, löst. Das sieht nach einem langwierigen Umdenkprozess aus. Der ist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn sich die Minderheit der Radikalfeministinnen sich demokratischen Spielregeln unterwirft, als da sind die Regeln einer Debattenkultur, das Infragestellen der Gendertheorie und die Evaluierung ihrer Fördermittel. Letzteres ist immer noch ein Tabuthema, es kann aber schnell zur Realtät werden, wenn die öffentlichen Mittel knapp werden.

(1) http://www.cicero.de/berliner-republik/buch-der-familienministerin-kristina-schroeder-hat-ja-so-recht/49075?print
(2) http://ef-magazin.de/2010/01/29/1828-die-feminismus-industrie-machtmonopol-nicht-nur-in-frauenfragen
(3) https://agensev.de/agens-meint/%e2%80%9eindividuelle-freiheit-oder-kollektivistischer-feminismus/ 
(4)  http://streit-wert.boellblog.org/
(5)    Schröder, Kristina, “Danke, emanzipiert sind wir selber“, München 2012

2 Responses to “Quo vadis Feminismus?”

  1. Yussuf K. sagt:

    Das sogenannte Referat 408 „Männer- und Jungenarbeit“ scheint überhaupt nichts zu machen. Noch nie habe ich von diesem Referat in der Öffentlichkeit auch nur den geringsten Hauch wahrgenommen. Die Referatsleiterin hat, bevor sie dieses Referat übernahm, in der Öffentlichkeit ihre feministische Einstellung zur Schau getragen. Was soll man da wohl schlussfolgern? Ich würde es schlichtweg als „Potemkinsches Dorf“ bezeichnen. Männer sind halt in dieser Gesellschaft lediglich feministisches Nutzviech.

    • RK sagt:

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich muss Ihnen leider Recht geben, aber wo sind die Männer, die sich gegen dieses Unrecht und die Diskriminierung wehren? Wer schweigt, darf sich nicht wundern, wenn die Frauen das Schweigen für ihre Zwecke nutzen. In Österreich z.B. ist der Wahnsinn schon nicht mehr zu begreifen.

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